Weihnachtsbräuche in Europa: Teil 1 - Weihnachten in Spanien

Die Adventszeit steht vor der Tür. Bei uns heißt das über Weihnachtsmärkte schlendern, Glühwein trinken, Nikolausstiefel befüllen und Türchen am Adventskalender öffnen. Doch wie sieht eigentlich die Adventszeit in anderen Ländern Europas aus? Wer bringt in Italien die Geschenke und warum haben die Iren fünf Kerzen auf dem Adventskranz? Zur Einstimmung auf die schönste Zeit des Jahres reisen wir durch einige unserer Zielländer und stellen Ihnen bis Weihnachten die schönsten und kuriosesten Bräuche und Traditionen vor. Den Start unserer kleinen Serie macht Spanien, wo in der Adventszeit das ganze Land auf „den Dicken“ wartet und eine Figur im Kuchen nicht nur Kinder begeistert. Aber nun: Glühwein und Spekulatius bereithalten und los geht das Schmökern.

Weihnachten in Spanien: Milliarden-Gewinn und Aprilscherze im Winter

Die klassischen Symbole, wie Weihnachtsmann, Weihnachtsbäume oder Adventsmärkte gehören zwar nicht zu den spanischen Weihnachtstraditionen, wurden jedoch von anderen Ländern übernommen und sind überall in Spanien zu finden. Vor allem die großen Städte, wie Madrid oder Barcelona, erstrahlen in der Adventszeit mit Weihnachtslichtern und prunkvoller Dekoration, was ein echtes Highlight jeder Spanien-Rundreise zu dieser Zeit des Jahres ist.

Weihnachten in Spanien: Botanischer Garten Madrid
Märchenhaft erstrahlen die Städte Spaniens in der Adventszeit, wie hier im Botanischen Garten von Madrid

Das Fest der Familie

Typisch für die Adventszeit in Spanien ist dafür die Weihnachtslotterie „El Gordo“, die schon seit Ende des 19. Jahrhunderts fest zur Adventszeit auf der Iberischen Halbinsel dazugehört. Quasi das ganze Land nimmt an der Lotterie teil und fiebert am Vormittag des 22. Dezembers bei der Ziehung mit. Spätestens am 24. Dezember wird man in Spanien in zahlreichen Kirchen und an öffentlichen Plätzen Krippen mit lebensgroßen Figuren finden. Oft finden auch echte Krippenspiele statt – eine Tradition, die sich von Katalonien aus in allen Teilen Spaniens verbreitet hat. Heiligabend und der 1. Weihnachtsfeiertag werden in Spanien – ähnlich wie bei uns – im engsten Familienkreis und bei einem „Cena de Nochebuena“ beziehungsweise einem „Cena de Navidad“ gefeiert. Oft gibt es mehrere Gänge und es kommen Lamm, Truthahn oder gebratener Fisch auf den Tisch. Auch die Restaurants bieten Weihnachtsmenüs an und sind festlich geschmückt. Wer zum Essen ausgehen möchte, sollte jedoch auf jeden Fall im Voraus einen Tisch reservieren.

Silvester in Spanien: Trauben bringen Glück

„Zwischen den Jahren“ sollte man sich in Spanien an einem Tag besonders in Acht nehmen vor Scherzen: Am 28. Dezember ist der „Día de los Inocentes“ („Tag der Unschuldigen“), der mit unserem 1. April zu vergleichen ist. Glück für das neue Jahr „sammelt“ man in Spanien an Silvester um Punkt 12 Uhr. Wer nicht direkt in Madrid ist, kann sich per Fernseher in die Hauptstadt und zum Glockenturm des alten Postamtes an der Puerta del Sol schalten. Bei jedem Glockenschlag um Mitternacht isst man eine Traube, die sogenannten „Uvas de la Suerte“. Wer alle 12 Trauben verspeist, wird im kommenden Jahr nicht nur Glück haben, sondern auch mit Gesundheit gesegnet sein.

Geschenke von den Heiligen Drei Könige

Der wohl größte Unterschied zwischen unserem Weihnachtsfest und Weihnachten in Spanien ist jedoch, dass eigentlich erst der 6. Januar, der „Día de los Reyes“ der Höhepunkt ist. Am Abend des 5. Januars finden in den großen Städten Spaniens riesige Paraden, die sogenannten „Cabalgatas de Reyes“ statt, bei denen die Heiligen Drei Könige einziehen. Die Paraden sind ein echtes Highlight, nicht nur für die Kinder, die schon auf ihre Geschenke warten. Vor dem Schlafengehen stellen die Kinder ihre Stiefel an den Kamin, die dann am 6. Januar mit Geschenken gefüllt sind. Bestenfalls – denn wer nicht brav war, bekommt von den „Reyes Magos“, den Heiligen Drei Königen“ nur Kohle gebracht. Auch der „Roscón de Reyes“ gehört am 6. Januar dazu. In den runden Hefekuchen mit kandierten Früchten wird eine kleine Königsfigur eingebacken. Wer das Stück mit der Figur erwischt, bekommt eine Papierkrone und ist an diesem Tag der König der Familie.

Weihnachten in Spanien: Heilige Drei Könige
Der Roscón de Reyes gehört zum 6. Januar in Spanien auf jeden Tisch

Das war der erste Teil unserer Reise durch die Weihnachtsbräuche unserer Zielländer. Haben Sie Lust bekommen, die Adventszeit in Spanien einmal hautnah zu erleben? Hier geht es weiter zu unseren individuellen Rundreisen durch Spanien

Ihre Ilona
Ilona Hensel
Geotoura-Expertin für Spanien & Kultur
Oktober 2021