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Der Stierkampf oder auch Corrida de toros (Lauf der Stiere), ist ein vor allem in Spanien beliebter und zugleich sehr umstrittener Brauch, bei dem es ein Torero (Stierkämpfer) mit einem 400 bis 700 kg schweren Kampfstier aufnimmt und ihn tötet. Aber auch in Portugal, Südfrankreich und ehemaligen spanischen Kolonien, sowie in spanisch beeinflussten Regionen in Südamerika finden Stierkämpfe statt. Schon in der Antike galt der Stier als ein Symbol der Kraft und Fruchtbarkeit. Wandmalereien und Darstellungen auf Vasen, die man z.B. auf Kreta fand, bezeugen, dass Stierkulte bereits in dieser Zeit eine Rolle spielten. Auch im alten Ägypten waren Stierspiele eine beliebte Volksbelustigung. Diese waren allerdings unblutig. Im Mittelalter waren Stierkämpfe Bestandteil der höfischen Feste, bei denen berittene Ritter und Adlige es mit dem Stier aufnahmen, während das niedere Volk von Anfang an zu Fuß kämpfte. Auf der Iberischen Halbinsel fanden die Stierkämpfe hauptsächlich zu feierlichen Anlässen statt. Ende des Spätmittelalters und Anfang des 15. Jahrhunderts sind sie bereits allgemein verbreitet. Der moderne Stierkampf hat seine Wurzeln im 18. Jahrhundert. Zunächst war der Stierkampf, wie schon erwähnt, den Adligen vorbehalten. Die Reitknechte, deren Aufgabe bis dahin darin bestand, den Adligen die Waffen zu reichen, begannen mit dem Niedergang der Aristokratie zu Fuß gegen den Stier zu kämpfen. Die älteste Stierkampfarena befindet sich in Ronda, einem von den Römern gegründeten Ort im andalusischen Gebirge Sierra Morena. Dort schuf die berühmte Matadorfamilie Romero die Grundlagen für den modernen Stierkampf. Die Stierkampfsaison ist von April bis Oktober. Die Kämpfe finden meist am späten Sonntagnachmittag (17 Uhr, im Hochsommer 18 Uhr) statt, während lokaler Feste hingegen fast täglich. Die Schattenplätze in der Arena (sombra) sind teurer als die Sonnenplätze (sol). Der spanische Stierkampf läuft nach festen Regeln ab. So finden in einer Corrida sechs Stierkämpfe mit normalerweise drei Matadoren statt.
Der Paseíllo, d.h. der Einzug der Toreros, wird von den Alguacilillos (im historischen Kostüm) angeführt, die zuvor den Präsidenten (der den Stierkampf leitet und von einem Veterinär und einem Experten der Stierkämpferkunst unterstützt wird) um die Erlaubnis des Stierkampfbeginns gebeten haben. Die Präsidentschaft ordnet mit einem Tuch die Trompetensignale an, die die einzelnen Phasen des Stierkampfes beginnen lassen. Drei nebeneinander einmarschierende Matadore (Töter) folgen den Reitern, wiederum gefolgt von ihrer Mannschaft (cuadrilla). Die cuadrilla besteht aus 2-3 banderilleros (die dem Torero Rückendeckung geben und im 2. Drittel des Kampfes den Stieren die banderillas in den Nacken stoßen) und 2 picadores (diese stechen den Stier im 1. Drittel mit einer Lanze, um die Tapferkeit des Stieres zu testen und seine Kräfte zu schwächen). Der Anzug des matadors heißt traje de luces (Tracht der Lichter) und ist mit Gold und Silber durchwirkt. Um die Schulter trägt er eine capa, einen Mantel, dessen Ende er um den linken Arm wickelt. Vor dem eigentlichen Kampf, der sich in 3 Phasen vollzieht, wird der Stier von dem Arenadiener (Chulo de Chiqueros) in die Arena gelassen und nun wird der Stier vorgeführt. Das heißt die banderilleros beginnen ihn für die capa zu interessieren, so dass der Matador, der dem Schauspiel zusieht, die Eigenheiten des Stieres kennen lernt. Dann folgen eine Reihe von veronicas (kunstvolle Figuren, ausgeführt mit der capa). Das Vorspiel ist beendet, wenn der Präsident mit einem weißen Tuch signalisiert, dass der eigentliche Kampf beginnen kann, der aus 3 Teilen besteht. Das erste Drittel nennt man „Tercio de varas".